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ausgabe no. 749/ April 2017

Neue Projekte zur Erinnerungskultur


Counterpoles / Widerstäbe
von Peter Kozek
Baden bei Wien

In Baden bei Wien ist ein neues Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus fertiggestellt worden. Peter Kozek hat seine Arbeit unter dem Titel Counterpoles / Widerstäbe an einem der meist frequentierten Orte in Baden, dem Josefplatz, auf rund 1300m2 errichtet.

In der Stadt Baden war bis 1938 die drittgrößte jüdische Gemeinde Österreichs beheimatet. Parallel zur Vertreibung der jüdischen Mitbürger_innen erfolgte nach dem "Anschluss" die systematische Verfolgung politischer Gegner_innen sowie jener Personen, die nicht als Teil der "Volksgemeinschaft" kategorisiert wurden. Eine engagierte Arbeitsgruppe hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Recherchen begonnen und unter Einbeziehung der jüdischen Gemeinde der Stadt die Grundlagen für einen Wettbewerb erstellt, der gemeinsam mit Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich ausgelobt wurde. Aus dem geladenen Wettbewerb ging 2015 der Entwurf von Peter Kozek hervor.

Kozeks Arbeit sieht eine Anordnung von 36 Metallstäben vor, die sich in unterschiedlichen Winkeln aus dem Boden aufrichten. Die Stäbe wirken scheinbar zufällig und unsystematisch auf der Grundfläche verteilt. Der Komposition liegt jedoch ein präzise erdachtes Ordnungsprinzip zugrunde: Kozek hat einen über dem Platz schwebenden Davidstern imaginiert, der zur Badener Synagoge hin ausgerichtet ist. Die schräg im Boden verankerten Stäbe streben auf diesen imaginierten Davidstern zu, das heißt ihre Verlängerung würde in die Eckpunkte des in zwölf Dreiecke zerlegten Davidsterns münden.

Die Dreiecke  beziehen sich ebenso auf die verschiedenfarbigen Winkel, welche in den Konzentrationslagern zur Kennzeichnung der verschiedenen Verfolgtengruppen dienten. Damit wird eine universelle Lesart des Mahnmals für alle Opfer des Nationalsozialismus ermöglicht.

Peter Kozek hat sein Projekt Counterparts / Widerstäbe als permanente Arbeit für den öffentlichen Raum gemeinsam mit dem Architekturbüro ASAP - HOOG PITRO SAMMER realisiert.


The Examined Life / Das geprüfte Leben
von Heidi Schatzl
Museum ERLAUF ERINNERT, Erlauf bei St. Pölten

Im Mai 2015 wurde das Museum ERLAUF ERINNERT als Vernetzungsort von Zeitgeschichte, Erinnerungskultur und Gegenwartskunst eröffnet. Ein Teil der Ausstellungsfläche ist temporären Projekten gewidmet: In diesem Jahr lädt die Künstlerin Heidi Schatzl die Besucher und Besucherinnen ein, in die Autobiographie des aus Erlauf emigrierten Ernst F. Brod einzutauchen. Unter dem Titel The Examined Life / Das geprüfte Leben präsentiert Heidi Schatzl Seiten aus Aufzeichnungen von Ernst F. Brod, der auf rund 2000 Seiten ein eindrucksvolles Dokument über die Lebensverhältnisse im frühen 20. Jahrhundert hinterlassen hat. Heidi Schatzl kombiniert ausgewählte Teile mit Bildmaterial und Zeitmarkierungen zu einem weit ausholenden Wandrelief.

Ihre Arbeit wird am Samstag, 6. Mai 2017 um 18.00 Uhr in Erlauf, nahe St. Pölten eröffnet.
Shuttlebus: ab 15 TeilnehmerInnen nach Erlauf, ab Wien zwischen Universität und Rathauspark.
Abfahrt: 15.30 Uhr, Rückfahrt: ca. 21.30 Uhr.
Um Anmeldung bis 4. Mai 2017 wird gebeten unter +43 (0) 2742 9005 16273. Unkostenbeitrag 5 EUR.


Informationen:
www.publicart.at

Foto: © Victor Jaschke

Pressearbeit: art:phalanx